IT-Recruiting in Zeiten der Corona Pandemie

Veröffentlicht am von Maria Günther

Wie funktioniert die IT-Branche in dieser Zeit?

Vor der Coronakrise macht auch der IT-Fachkräftemangel nicht halt. Viele Probleme, die bereits vor der Krise bestanden, werden auch danach noch bestehen und wahrscheinlich wird sich der unternehmerische Handlungsdruck Im Mittelstand in Hinblick auf die Digitalisierung weiter verstärken. Dies heisst, dass IT-Spezialisten heiß begehrt waren und bleiben. Da derzeit jedoch eine wirtschaftliche Vorsicht besteht, werden die Rekrutierungskosten erst einmal minimiert. Dazu gehört auch, HR-Prozesse möglichst einzufrieren, bis sich die Situation wieder absehbar entspannt. Die IT-Branche im Allgemeinen befindet sich also in einem Dilemma und steht – bildlich gesprochen - gleichzeitig mit einem Fuß auf Gas und Bremse. 

Gerade der Bereich der Medizintechnik und Gesundheits-IT ist direkt von dieser Situation betroffen. Hier sind die Auswirkungen der aktuellen Herausforderung durch die Sicherstellung des Betriebs - und der daraus resultierenden Mehrarbeit - deutlich spürbar. Dazu gehört nicht nur die Bereitstellung medizinischer Technik, sondern auch das Aufrechterhalten des digitalen Versorgungssystems und die Bereitstellung von Daten zur Betriebskoordination und zum Monitoring. Gerade hier ist die Arbeit von Recruitern bei Suche und Auswahl der richtigen Mitarbeiter besonders gefragt. 

Recruiting on Remote? 

Viele Prozesse liefen schon vor der Krise digitalisiert. Unsere Arbeit konzentriert sich - gestern wie heute - auf eine Balance zwischen digitaler Kandidatensuche und analoger Kandidatengewinnung, durch persönliche Gespräche und einer direkten und verbindlichen Kommunikation mit Menschen. Nach der Einschränkung sozialer Kontakte verlagern sich die persönlichen Gespräche mit unseren Kandidaten ebenfalls in die digitale Umgebung, in Form von Telefon- und Skype-Interviews. Das Recruiting geht weiter, auch wenn es jetzt anders organisiert ist und auf beiden Seiten (Kandidat/Recruiter) ein Stück mehr Vertrauen in die jeweils andere Seite gefragt ist.

In unserem Arbeitsalltag ändern sich aber nicht nur die Prozesse, sondern auch der Umgang und Zugang auf Kandidaten. Unser Active Sourcing ist vor allem auf wechselwillige Kandidaten ausgerichtet, die dies auch klar über Social Media Kanäle kommunizieren. Dabei sind es oft passive Kandidaten, die wir identifizieren und die sich zwar bereits in einer Anstellung befinden, aber klar aufzeigen, dennoch offen für neue Angebote zu sein. Der relativ unkomplizierte Zugang auf diese potentiellen Kandidaten ist nun schwieriger geworden, da sie nicht mehr so wechselbereit sind.

Befindet sich das Recruiting an einem Wendepunkt? 

Die wirtschaftliche Unsicherheit durch die Corona-Krise in Deutschland wirkt sich nachteilig auf die Wechselbereitschaft potentieller Kandidaten aus. Wer bereits eine sichere Festanstellung hat, wird ein neues Angebot weniger attraktiv finden, da sie/er sich in der angebotenen Position erst einmal beweisen müsste. Frei nach dem Motto „ lieber der Spatz in der Hand…“. Für uns Recruiter ist es somit schwieriger, IT-Fachkräfte für eine neue berufliche Herausforderung zu begeistern. Angebote werden zwar seitens der Kandidaten entgegengenommen und Interviews geführt, einen tatsächlichen Wechsel zu bewirken, ist hierbei derzeit jedoch schwierig. Die Risikobereitschaft ist verständlicherweise niedrig und Entscheidungen werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Den Kontakt zum eigenen Netzwerk zu pflegen und eine Gesprächsbereitschaft zu signalisieren ist jetzt besonders wichtig. In der jetzigen Zeit beobachten wir als Recruiter besonders genau, wie sich unser Netzwerk verändert und entwickelt.

Trotz der aktuellen Umstände ist es für Recruiter - und im Speziellen auch für uns - möglich erfolgreich mit unseren Kunden und Kandidaten zusammenzuarbeiten. Viele Unternehmen haben bereits verstanden, dass die Einstellung von neuen Mitarbeitern zur Zukunftssicherung gehört und nicht warten kann, bis die Krise vorbei ist. Im Gegenteil, krisensichere Unternehmen nutzen jetzt sogar die Chance, sich gezielt auf dem etwas entspannteren Bewerbermarkt umzusehen und für ihre Arbeitgebermarke zu werben.